Wer ist der richtige Arzt oder Therapeut für mein Kind?

Kennst du das auch, in der Minute, in der du eine Person triffst und kennenlernst weisst du bereits, dass dein neurodiverses Kind nicht gut auf diese Person reagieren wird? Sei es bei Ärzten, die mein Kind abklären sollten oder Therapeuten, die mit meinem Sohn arbeiten sollten. Bei mir war dieses Gefühl oder auch Intuition ganz oft da, aber leider habe ich nicht oft darauf gehört. Warum? Weil die Abklärung und Therapie ja so wichtig war für mein Kind, wir meist schon Monate darauf gewartet hatten und ich meinem Kind unbedingt helfen wollte. Wieso das aber eigentlich der falsche Weg ist und welche Kriterien einen guten Therapeuten oder Therapie ausmachen, liest du heute hier.

Hürden bei der Auswahl

Es ist doch so, die meisten von uns warten Monate auf eine Abklärung (zwischen 6 und 12 Monate) nur um dann zu merken, dass der Arzt, der die Abklärung macht nicht gut mit deinem Kind harmoniert, aber nachdem nun ja bis zu einem Jahr verstrichen ist, ist die Abklärung dringend. Also sagt man besser nichts und lässt den Arzt seinen Job machen. Schliesslich verspricht die Diagnose dann hoffentlich Hilfe, eine Besserung der Symptome und des Leidens.

Danach gibt es Empfehlungen für Therapien, die oftmals wieder lange Wartezeiten involvieren, Abklärungen über die Finanzierung dieser Therapien, weitere Arztbesuche etc. All das ist überwältigend für Eltern und gleichzeitig stehen wir unter Strom unserem Kind zu helfen.  Je älter unsere Kinder werden, umso dringlicher wird es für uns etwas zu tun und gleichzeitig wird die Bereitschaft unserer Kinder in all diesen Interventionen und Therapien mitzumachen kleiner. Ein gefürchtetes Spiel gegen die Zeit beginnt und damit das Ausschalten jeglicher Intuition bei uns Eltern.

Wir schalten auf Autopiloten, getrieben aus Angst vor der Zukunft, dem Leiden im gegenwärtigen Moment und der eigenen Hilflosigkeit. Jahrelang habe ich mir von meiner Kinderärztin absolut beleidigende Worte angehört, weil ich nicht wusste, wohin ich sonst mit diesem Kind sollte – das war weder schön für mich noch für mein Kind.

Was sind Kriterien für einen guten Arzt oder Therapeuten?

(Anmerkung: ich gehe hier nicht auf fachliche Kompetenzen eines Arztes oder Therapeuten ein und benutze der Einfachheit halber «Er» anstatt «Er oder Sie»)

  • Er behandelt dich immer respektvoll
  • Er ist offen und ehrlich, ohne verletzend zu sein
  • Er betrachtet dich als Experte für dein Kind (denn niemand kennt es besser)
  • Er nimmt dich ernst, in allen Belangen und versucht dich nicht zu belächeln
  • Er kann zugeben, auch nicht alles zu wissen
  • Er akzeptiert ein Nein von dir für eine Behandlung oder eine bestimmte Vorgehensweise, ohne dir das vorzuwerfen
  • Du vertraust ihm/ kannst ihm vertrauen
  • Er nimmt sich Zeit, das Kind zu verstehen. Ärzte und Therapeuten die immer in Zeitstress sind, fehlt es oft an Einfühlungsvermögen
  • Er kann eine therapeutische oder ärztliche Beziehung zu deinem Kind aufbauen. Ein Kind dass sich kontinuierlich verweigert ist ein Indiz für fehlendes Vertrauen und Beziehung
  • Er fragt dich, was du oder das Kind (je nach Alter) gerne erreichen wollen (Ziel) und warum. Idealerweise kann er dir bei der Zielerreichung in einer Form dienlich sein

Welche Therapie ist die richtige?

  • Eine Therapie, die an der Ursache arbeitet und nicht Symptome bekämpft. Reine Verhaltensbasierte Therapien halte ich daher für nicht sinnvoll. Denn dein Kind wird das erlernte Verhalten nicht wirklich aus entstandener Entwicklung heraus auf andere Situationen anwenden können. Verhaltenstherapie ist für mich nichts anderes als «Dressur».
  • Eine Therapie die auch an Schwachstellen arbeitet. Die also hilft Fähigkeiten aufzubauen oder zu erweitern. Wichtig dabei ist aber der respektvolle Umgang dabei, dass der Selbstwert der Kinder nicht darunter leidet.
  • Eine Therapie, die das Nervensystem deines Kindes hilft zu regulieren und den momentanen Zustand des Nervensystems deines Kindes in Betracht zieht, anstatt sich auf gezeigtes Verhalten dieser Kinder zu beschränken.

Intuition beachten

Ich glaube wir Eltern merken instinktiv, wenn ein Therapeut/ Arzt oder eine Therapie sich nicht richtig für unser Kind anfühlt. Und trotzdem reagieren wir nicht in allen Fällen gleich darauf und lassen die Therapie weiterlaufen. Aus genannten Gründen. Daher wünsche ich mir, dass die Ängste, die uns begleiten nicht unseren Mut begraben auf unsere Intuition zu hören. Eine Therapie oder ein Arzt/Therapeut, der nicht gut für unser Kind ist, wird nichts bewirken, selbst wenn dir alle etwas anderes sagen oder auf dem Papier alles gut wirkt.

Ich habe inzwischen meinen Kinderarzt gewechselt und die Therapien gecancelt die ich nicht mehr als sinnvoll erachte, Schritt für Schritt wähle ich nun mit Bedacht neue aus und höre dabei auf meine neu erwachte Intuition unter der Berücksichtigung was ich glaube am Besten für mein Kind ist.

Wie geht es dir mit den Ärzten und Therapeuten für dein Kind? Fühlst du dich gut aufgehoben, gehört und gesehen?

Schreibe mir!

Alles Liebe,

Carmen

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