Warum du als Elternteil so wichtig bist für dein neurodiverses Kind

Ich rede ja immer davon, dass die Eltern der wichtigste Schlüssel für die Entwicklung Ihrer (neurodiversen) Kinder sind und nicht die Therapien, in die wir unsere Kinder schicken. 

Für viele Eltern ist das aber erst einmal ein unvorstellbarer Gedanke, denn es ist so gar nicht das, was uns die «Spezialisten» (meist Ärzte) erzählen. Die erzählen uns meist nur, dass das Ganze nicht heilbar ist oder dass es Medikamente gibt, die mit den Symptomen helfen, es vielleicht noch die eine oder andere Therapie für dein Kind gibt (Verhaltenstherapie, psychiatrische Behandlung, Logopädie, Heilpädagogik etc). Wenn nichts hilft und die Eltern am Ende sind, dann wird noch das Heim oder betreute Wohnen angeboten (so wie uns im Übrigen). Um die Familie zu entlasten, hiess es. Oder eben die Webseite von Autismus oder ADHS-Vereinigungen, bei denen sich man Webinare und Informationen oder Telefonische Hilfe holen kann.

Meine Erfahrung damit

  • Wir haben die Medikamente probiert und die 3 Monate, die mein Sohn auf Ritalin war, waren ein komplettes Desaster. Nebeneffekte und schlimme Ausraster am Abend und tagsüber einen Zombie. So wollte ich mein Kind nie mehr erleben.
  • Die gängigen Standardtherapien hatten wir alle seit er 3 Jahre alt war implementiert. Mit wenig bis gar keinem Erfolg. 
  • Die Webseite der Vereinigungen boten mir viele Webinare, die mir immer nur Wissen gegeben hatten, mit dem ich entweder nicht wusste, wie ich es einzusortieren hatte, da es Detailwissen war, mir aber das grosse Ganze fehlte. Oder mir nicht konkret geholfen werden konnte. 
  • Das Heim mit betreutem Wohnen, lehnte ich kategorisch ab, denn schliesslich liebte ich dieses Kind und wollte es nicht einfach abschieben, nur weil ich nicht damit klar kam.

Wo ist das eigentliche Problem?

  • Eltern sind meist schon Jahre vor der Diagnose überlastet, und zwar nicht nur physisch, sondern vor allem emotional. Den meisten Eltern ist klar, dass sich etwas ändern muss, denn die Kraftreserven schwinden schnell, aber was das «Etwas» ist, das ist den meisten unklar.
  • Die Kinder leiden und Eltern sind super bestrebt, dieses Leiden (oftmals zugunsten ihres eigenen Leidens) zu verringern. Die Wunderpille muss her, aber auf Dauer fühlen wir uns damit auch nicht gut, wenn die Medikamente denn überhaupt funktionieren.
  • Zukunftsängste der Eltern nehmen überhand, was aus ihrem Kind noch werden soll, und damit hilft einem niemand (schliesslich ist ja angeblich das Kind das «Problem»)
  • Wie schlimm es wirklich zu Hause ist, getrauen sich die meisten schon gar nicht mehr zu erzählen. Denn Scham- und Schuldgefühle sind zu gross. Die Angst als elterlicher Versager dazustehen ebenfalls. Wer gibt sie schon gerne zu, die Weinkrämpfe im Badezimmer, den Tresor den man sich angeschafft hat um Wertsachen oder Haushaltsmesser zu verstecken, die Austicker seines Kindes und von einem selbst und die Liste lässt sich problemlos verlängern….
  • Wir übergeben die Verantwortung nur allzu gerne «Experten», die müssen es ja schliesslich wissen. Aber Ärzte kennen dein Kind nur aus deinen Erzählungen und der kurzen Zeit, der «Visite». Vor allem habe ich gelernt, dass Ärzte eben auch «nur» Menschen sind und daher genauso Fehler machen wie wir, Teil des westlichen medizinischen Systems sind und eben auch nicht alles wissen. 
  • Das Gefühl des Alleingelassen sein ist enorm, denn diese Kinder fallen aus allen Rastern und sich Hilfe zu organisieren, gestaltet sich als Mammutaufgabe.

Was hilft also wirklich?

Was die Familie aber wirklich entlasten würde, das wurde uns nie angeboten. Hilfe zur Selbsthilfe nämlich. Ich wünschte mir immer eine Suppernanny. Jemand der mir in allen Lebenslagen zu Hause beistand und mir sagen konnte, wie ich es besser machen konnte. Heute weiss ich, dass auch das nur wenig gebracht hätte. Denn der Fokus ist immer noch der falsche. Der Fokus sollte erst mal auf die Eltern gelegt werden, und zwar darum

  • Niemand kennt und versteht sein Kind besser als Eltern. Eltern sind die Experten für ihre Kinder.
  • Niemand verbringt mehr Zeit mit seinen Kindern als Eltern (ein Therapeut in der Regel 1 Stunde pro Woche).
  • Eltern sind das Vorbild für ihre Kinder und können es daher am meisten positiv beeinflussen.
  • Die Energie die zu Hause herrscht hat einen massgeblichen Anteil daran, wie sicher sich dein Kind fühlt.
  • Die ganze Familie teilt sich das Nervensystem, je hilfloser und überlasteter die Eltern sind, umso mehr bremst es die Entwicklung deiner Kinder.

Wenn es den Eltern also nicht gut geht, weil sie in absoluter Hilflosigkeit allein gelassen werden. Dazu noch in einer Gesellschaft, die mit totalem Unverständnis auf jegliches Fehlverhalten von Kindern reagiert und Kinder in immer engere Schablonen presst, in die die neurodiversen Kinder einfach nicht hineinpassen. Dann fehlt Eltern die kritische Fähigkeit mit Verständnis, Liebe und Respekt ihre neurodiversen Kinder anzuleiten und sie somit in ihrem eigenen Tempo in ihrer Entwicklung zu fördern. 

5 Tipps die dir helfen

  1. Schaue auf dich, baue eigenen Stress ab, wann immer es geht. Ohne dich in «Best-Form» wird es umso schwerer für dein Kind werden, sich gesund zu entwickeln.
  2. Anstatt Einzelinformationen zu recherchieren, versuche das grosse Ganze zu verstehen. Bewusstheit über den Ist-Zustand und Wissen ist der erste Schritt zur Besserung.
  3. Hole dir Hilfe, wann immer du kannst.
  4. Sei ehrlich und bereit deine eigene Verletzlichkeit zu zeigen, nur dann kann dir jemand adäquat helfen.
  5. Höre und vertraue auf dein Bauchgefühl. Wenn sich eine Antwort, Lösung oder Therapie nicht richtig anfühlt, dann ändere es.

Hätte ich diese Prinzipien früher verstanden, dann hätte ich vielleicht nicht ganz so lange gebraucht, mich auf meine Entwicklungsreise zu begeben und damit meinem Kind zu helfen. Aber das gute ist ja, es ist nie zu spät! 

Also los, worauf wartest du noch? Gib deine Verantwortung nicht an Ärzte und Therapeuten ab, sondern übernehme sie für dich und dein Kind!

You got this!

Alles Liebe

Carmen

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