Mein Kind freut sich nie über seine Geschenke

Die Weihnachtszeit steht schon wieder vor der Türe und damit bei uns immer eine Zeit der emotionalen Achterbahn. Die letzten 4 Blogartikel des Jahres drehen sich darum alle um diese Zeit und ihre einhergehenden Herausforderungen.

Warum ist Weihnachten besonders schwer für verhaltensauffällige Kinder?

  1. Viel mehr sensorische Reizflut die es zu bewältigen gilt
  2. Ernährung die nicht optimal für unsere Kinder ist
  3. Die eigene Stresslast der Eltern
  4. Das grosse Ausmass an Vorfreude (aber auch Unsicherheit) auf die Feierlichkeiten, Gäste aber auch an Geschenke

Nachdem es nur noch wenige Wochen bis Weihnachten sind und so langsam die Frage aufkommt welche Geschenke dieses Jahr unter dem Weihnachtsbaum liegen, wollte ich meine letztjährige Erfahrung mit euch teilen, die euch vielleicht hilft ein wenig Druck aus diesem ganzen Fest zu nehmen.

«Mein Kind hat sich im letzten Jahr über keines seiner Geschenke gefreut, geschweige denn danke gesagt.»

Und das war schwer für mich. Denn zum einen ist einer der Gründe, warum wir schenken, die Freude im Gesicht des Beschenkten zu sehen und zum anderen erwarten wir als Schenkenden oft einen Dank als Gegenzug für unsere Bemühungen. Oder aber wir Eltern erwarten von unseren Kindern, dass sie sich bei allen Schenkenden bedanken und gute Manieren zeigen, damit wir Eltern uns gut fühlen für einen guten Erziehungsjob. Und da war noch etwas, ich wollte meine Kinder nicht in einer Konsumgesellschaft aufwachsen lassen, in der echte Dankbarkeit keinen Stellenwert mehr besitzt.

Meine Gedanken drehten sich dementsprechend immer darum wie undankbar meine Kinder sind, wie peinlich mir es ist, dass sie nicht danke sagen und dass ich Ihnen nächstes Jahr gar keine Geschenke mehr kaufe um diesem Irrsinn zu entgehen…..

Wenn du dieses Szenario oder Gedankengänge aus vergangenen Jahren kennst, dann lege ich dir die folgenden Schritte ans Herz. Vielleicht verhelfen sie dir zu einem entspannteren Geschenkeaustausch.

Schritt 1: Frage dich: Warum ist das so?

Als erstes hilft es mir immer wieder mir vor Augen zu führen, dass wenn Kinder sich nicht dankbar zeigen können, dann weil sie sich ganz einfach nicht so fühlen. Und wer sich nicht so fühlt, der denkt auch nicht wie jemand der dankbar ist und kann auch keine zeigen. Die lange Anspannung unserer Kinder auf diesen Tag hin und die Vorfreude auf die Geschenke, bringen unsere Kinder meist sehr schnell in einen disregulierten Nervensystemzustand (wenn sie da nicht sowieso schon die meiste Zeit sind). Die Schlussfolgerung, die wir Eltern also ziehen sollten: mein Kind braucht Hilfe, es kann es gerade nicht besser.

Schritt 2: Welche Elterntechnik wende ich dann an?

Ich halte ganz sicher Abstand von Belehrungen und sonstigen Erziehungsmassnahmen, denn in diesem Moment sind sie nicht wertvoll. Nicht für unser Kind und nicht für die Beziehung die wir mit unseren Kindern anstreben. Ich erkenne aber die Gefühle meines Kindes an. «Du siehst enttäuscht aus, du scheinst dich nicht über das Geschenk zu freuen.»

Schritt 3: Ich gebe mir Selbstmitgefühl

Ist es einfach für mich all die Gefühle des Kindes auszuhalten, wenn meine eigenen Erwartungen ganz andere waren (nämlich die der Freude und der Dankbarkeit)? Nein, sicher nicht. Ich muss mit meiner eigenen Enttäuschung, meinen eigenen negativen Gedanken und daher mit meinem eigenen produzierten Stress klarkommen. Wenn ich das nicht tue, werde ich meinem Kind früher oder später Dinge sagen, die nicht dazu beitragen die Situation zu de-eskalieren, sondern weiter zu eskalieren.

Schritt 4: Werde Vorbild

Ich werde Vorbild und zeige meinem Kind, dass man sich auch für die Mühe bedanken kann, die sich der andere bestimmt gemacht hat, obwohl das Geschenk nicht den erwarteten Effekt erzielt. Z.b. «Ich glaube dass «Der Schenkende», etc gedacht hat, dass dir das Geschenk gefällt, weil du so gerne mit xy spielst/ xy so gerne hast. Ich glaube «der Schenkende» ist auch enttäuscht oder traurig, dass es dir nicht gefällt. Ich werde daher trotzdem an deiner Stelle Danke sagen, dass er/sie sich so viel Mühe gemacht hat, sich etwas (vermeintlich) Schönes für dich auszudenken.»

Wenn sich das nicht gut für dich anfühlt, dann kannst du diese Situation auch gerne so handhaben, wie sie deinen eigenen Wertvorstellungen entspricht. Solange du es schaffst das vorzuleben, was du dir in diesem Moment wünschen würdest.

Natürlich können wir uns trotzdem alle überlegen wie sinnvoll weitere Geschenkemarathone sind oder wie wir diesem alljährlichen Konsumwahnsinn sinnvoll entgegensteuern können. Aber ich finde es immer noch schön, meine Kinder zu beschenken, auch wenn Sie sich nicht immer so darüber freuen, wie ich mir das Wünschen würde.

Alles Liebe

Carmen

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