Mein Kind braucht mehr Selbstregulierung! Nur wie?

Eines war mir bei den vielen Ausrastern und den vielen Abklärungsgesprächen bei meinem Sohn schnell klar. Es mangelte ihm an Selbstregulierung, oder anders gesagt, er litt unter hoher Impulsivität und niedriger Frustrationstoleranz. Nur wie wir Abhilfe schaffen konnten, wurde mir nie erklärt. Im besten Fall sollten wir auf einsetzende Hirnentwicklung warten oder auf Medikamente zurückgreifen, um unser Leben zu vereinfachen. In mehrerlei Hinsicht war dies keine Option für mich, denn so weitergehen wie bisher konnte es nicht. Eigentlich wünschte ich mir die meiste Zeit mal nur Gehorsam. Den Unterschied zwischen meinem Wunsch nach Gehorsam oder Selbstkontrolle und echter Selbstregulierung kannte ich aber nicht. Aber auch was mir bei Selbstregulierung im Weg stand und wie die Lösung für das Problem aussieht, davon handelt der heutige Blogartikel.

Selbstkontrolle oder Selbstregulierung – der Unterschied

Selbstkontrolle bedeutet nichts anderes als Impulse zu unterdrücken. Sie wird als starker Ausdruck von Persönlichkeit (Charakterstärke) in unserer Gesellschaft gepriesen und heisst nichts anderes, als dass wir z.B. der Versuchung widerstehen können, ein Stück Schokolade zu essen, was vor uns liegt. Hierzu wird meist Willenskraft benötigt und davon haben wir alle nur ein bestimmtes Mass. Das Mass unserer Willenskraft steht dabei in starkem Zusammenhang mit unserer eigenen Stressbelastung und verfügbaren Ressourcen.

Selbstregulierung hingegen bedeutet, die Ursachen von Impulsen zu erkennen und ihre Intensität zu verringern und wenn nötig, die Energie aufzubringen, ihnen zu widerstehen. Selbstregulierung macht in vielen Fällen also Selbstkontrolle hinfällig.

Es wäre also in vielfacher Hinsicht schön, wenn unsere Kinder einfach mehr Selbstkontrolle hätten, was wir oft verlangen in dem wir sagen: «da musst du dich einfach besser anstrengen. Ich hab dir jetzt schon so oft gesagt, dass du das nicht machen darfst.»

Aber nur die Selbstregulierung wird uns zu einem gesunden, starken Geist und Körper und damit einem erfolgreichen Leben führen. Denn nur dieser Weg führt uns zu wahrer innerer Ruhe, Selbstkontrolle führt uns nur zu mehr Stress. Die oft zitierte Marshmallow Studie die Selbstkontrolle von Kleinkindern als Grundlage für späteren Lebenserfolg bewies, ist heute ein längst veraltetes Experiment, obwohl unser Schulsystem und viele psychologischen Beratungen noch genau darauf aufbauen.

Was steht uns Eltern oft im Weg, um mehr Selbstregulierung bei unseren Kindern zu fördern?

  • Fehlende Verbindung oder Beziehung zu unserem Kind
  • Deutung von Problemverhalten als Böswilligkeit
  • Gehorsam verlangen, eigene Konditionierung
  • Eigenes hohes Stresslevel und damit verbundene fehlende Selbstregulierung
  • Belehrungen anstatt Vorleben als Methode zur Förderung
  • Fördern von Selbstkontrolle statt Selbstregulierung

Mein eigenes Stresslevel war jahrelang so hoch, dass ich selbst weder ein Vorbild war noch über genügend Wissen verfügte, wie diesem Problem beizukommen war. Zudem war ich beruflich viel unterwegs und oft für 2-3 Tage auf Geschäftsreise und hatte mein Kind 4 Tage die Woche in der Kita Betreuung. Gehirnbrücke ade…. Aber dazu komme ich gleich.

In unserem gängigen Gesellschaftssystem/ Erziehung ist es ausserdem immer noch die Norm bei Fehlverhalten auf Bestrafungen zurückzugreifen, da wir dann das Gefühl haben, dass wir ernst genommen und von unserem Kind gehört werden. In Wirklichkeit erhöhen Strafen nur das Stresslevel der Kinder und im schlimmsten Fall fällt das Kind in eine Art Starre (was manchmal wie Selbstkontrolle aussehen kann, aber nicht wirklich ist).

Wie kann ich Selbstregulierung bei meinem Kind fördern? 5 Schritte (nach S. Shanker)

Wichtig zu verstehen ist, dass Selbstregulierung zum einen tatsächlich erlernt werden kann (wir müssen also nicht nur auf Hirnentwicklung warten) und zum anderen ein Kind diese Fähigkeit nur durch Regulierung von aussen erlangen kann. Erwachsene haben also die wichtige Rolle von externen Regulatoren. Besondere Bedeutung bei dieser Rolle haben Mütter. Wir haben eine Art Hormon- und Gehirnbrücke zu unseren Kindern, die wie mit einer Art Bluetooth- oder Funkverbindung zu vergleichen ist (vorher war es die Nabelschnur). Dieser Kanal wird vor allem durch Berührungen, Blickkontakt, Stimme und durch gemeinsame Emotionen geschaffen und aufrechterhalten. Die Gehirnbrücke wird aber durch hohen Stress oder Abwesenheit seitens der Eltern enorm gestört.

5 Schritte die für Selbstregulierung notwendig sind:

  1. Signale des Kindes für Überforderung lesen und Verhalten des Kindes umdeuten
  2. Stressfaktoren identifizieren
  3. Stressfaktoren reduzieren
  4. Stressursachen erkennen
  5. Strategien finden, die Anspannung reduzieren und Energiereserven auffüllen

Fazit

  1. Mütter haben eine tragende Rolle bei der Fähigkeit zur Selbstregulierung ihrer Kinder.
  2. Wir sollten uns selbst ermächtigen und genügend Wissen und eigene Selbstregulierung haben, um unseren Kindern adäquat helfen zu können.
  3. Es ist nie zu spät, um diese Schritte zu gehen, aber je früher, desto mehr Leid ersparst du dir und deinem Kind.
  4. Werde Detektiv und lerne wie man Stressverhalten erkennt und abbaut.
  5. Hole dir Hilfe, damit sparst du Zeit und förderst gleichzeitig Gesundheit und Entwicklung bei dir und deinem Kind.

Mein Sohn und ich haben grosse Fortschritte in den letzten 3 Jahren gemacht. Ich habe verstanden um was es geht, und jetzt ist einfach die tägliche Umsetzung gefordert. Das ist nicht immer einfach und immer wieder verfalle ich in alte Muster, obwohl ich es eigentlich besser weiss. Hier hilft einfach nur üben, üben und üben und jemand zu haben, der einem dabei hilft. Ich gönne mir immer wieder selbst Hilfe und Unterstützung, denn auch ich bin vor meinen eigenen blinden Flecken nicht sicher, es tut gut, wenn mir mal wieder jemand den Spiegel vor die Nase hält und mich erinnert, wo ich selbst nochmals hinschauen darf.

Was wäre dein grösster Wunsch für dich und dein Kind? Wenn du die fehlende Selbstregulierung bei dir und deinem Kind in Angriff nehmen willst, dann melde dich bei mir.

I got you!

Alles Liebe

Carmen

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