«Komm ich helfe dir……» warum dieser Satz grossen Schaden anrichten kann

Wie oft ich diesen Satz meinen Kindern gesagt habe, kann ich gar nicht mehr zählen. Und er war sicherlich immer gut gemeint. Denn mein motorisch ungeschicktes Kind, brauchte meiner Meinung nach, bei so ziemlich allem Hilfe. Aber wie ihr inzwischen wisst, ist das Gegenteil von Gut eben nicht böse, sondern gut gemeint. Echt jetzt Carmen, denkt Ihr jetzt? Ja und ich erkläre Euch im heutigen Blog warum.

Egal was mein motorisch ungeschicktes Kind früher tun wollte, es hat es nicht hinbekommen (zumindest nicht so wie er es oder ich es haben wollten) und er lehnte notorisch jegliche Hilfe von mir ab. Es brachte mich fast zur Weissglut. Warum? Weil ich zum einen mein Kind nicht leiden sehen konnte und zum anderen ich ihm gerne bei der Erreichung seines Zieles helfen wollte bzw. Schaden verhindern wollte. Beides sind absolut gute Gründe meinem Kind zu sagen, «Warte, ich helfe dir.» Vielleicht sogar von einem «Das kannst du noch nicht, dafür bist du noch zu klein.»

Was ist an «ich helfe dir» eventuell schädlich für dein Kind?

Wir trainieren unseren Kindern damit automatisch eine Opferhaltung an, indem wir Ihnen folgende 2 Einstellungen vermitteln:

  1. «Ich mache es nie gut genug.»
  2. «Ich brauche zwingend die Hilfe von anderen Menschen um klarzukommen.»

Dadurch generieren wir unseren Kindern nicht nur einen geringen Selbstwert, sondern nehmen Ihnen auch die Motivation schwierige Dinge in Angriff zu nehmen. Die Schuld für das eigene gefühlte Versagen wird dann gerne dem Aussen gegeben, da sie selbst nur schwer mit diesen negativen Gefühlen umgehen können.

Wir produzieren somit ungewollt einen Teufelskreis. Indem wir vermehrt Hilfe anbieten, traut sich unser Kind immer weniger selbst zu, bleibt frustriert über das eigene «Nichtkönnen» und lehnt notorisch weiter jegliche Hilfe ab, um sich nicht noch schlechter zu fühlen. Wir Eltern bieten weiterhin Hilfe an, die nicht erwünscht ist, sind frustriert darüber dass sie abgelehnt wird, können unser Kind nicht leiden sehen und haben zeitgleich den Anspruch unseren Kindern etwas «beibringen» zu wollen. Das Rezept für Disaster ist gelegt, merkt Ihr das auch?

Woran erkenne ich, ob ich mich anders verhalten sollte

  • Dein Kind lehnt irgendwann jegliche Hilfe ab
  • Dein Kind sagt dir ausdrücklich, dass es etwas alleine tun will und auch kann
  • Dein Kind leidet unter einem geringen Selbstwert
  • Dein Kind hat eine niedrige Frustrationstoleranz/ ist Impulsiv
  • Dein Kind will Erfahrungen lieber alleine machen und ausprobieren
  • Dein Kind hat ein grosses Bedürfnis nach Autonomie

Carmen du hast Recht, was soll ich jetzt tun? 5 Tipps

  1. Wenn Du zum Schluss kommst, dass dein eigenes Verhalten Teil des Problems ist, dann musst du erst mal beschliessen Teil der Lösung zu werden. Und zugegeben, dass ist nicht immer leicht. Denn dein Kind Dinge allein ausprobieren zu lassen war für mich als Kontrollfreak erst mal eine grosse Hürde.
  2. Ausserdem ist es nicht einfach abzuwägen, an welche Aufgaben du es alleine herangehen lassen kannst und welche tatsächlich eine Nummer zu gross sind. Wichtig ist, dass wir unsere Kinder immer versuchen für Erfolg aufzusetzen, zum Beispiel in dem wir grosse Aufgaben in kleinere herunterbrechen.
  3. Wir Loben für Anstrengung anstatt für Resultate
  4. Wir lernen den Umgang mit grossen Gefühlen, bei unseren Kindern und bei uns selbst
  5. Wir ändern unsere Einstellung bezüglich unseren Kindern, Erziehung und überprüfen unsere eigenen Ansprüche. Denn unsere Kinder sind schon richtig und gut so wie sie sind. Sie sind weder behindert noch unfähig.

Wann ist es trotzdem nötig zu helfen und wie tue ich das?

Natürlich gibt es trotzdem absolut Situationen in denen unsere Kinder Hilfe brauchen. Und um ehrlich zu sein, ist es auch eine schöne Eigenschaft Hilfe annehmen zu können. Aber dies kann nur geschehen, wenn wir uns Selbst als richtig und wertvoll erachten. In Situationen die tatsächlich eine Gefahr für die körperliche, geistige oder seelische Sicherheit darstellen sollten wir immer eingreifen. Aber eben mit der nötigen Empathie, so dass wir den Selbstwert der Kinder nicht weiter untergraben.

Mein Kind hat früher jegliche Hilfe abgelehnt. Heute gibt es immer mehr Situationen in denen mein Kind mich um Hilfe bittet und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie glücklich ich darüber bin. Nicht weil ich endlich helfen darf, sondern weil es das Beste Zeichen ist, dass wir auf dem absolut richtigen Weg sind und der Selbstwert meines Kindes langsam wieder aufgebaut wird.

Willst du das auch für dein Kind? Dann schreib mir.

I got you!

Alles Liebe

Carmen

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