Hochsensitive Kinder und Weihnachten – eine explosive Mischung

In fast keiner Zeit des Jahres erlebe ich so viele Ausraster bei meinen Kindern wie in der Weihnachtszeit. Immer wenn die Weihnachtsferien vorbei sind, atme ich wieder auf. Faktoren, warum das so ist, gibt es viele und in den nächsten Blogartikeln schauen wir uns diese einzelnen Aspekte mal genauer an.

Im heutigen Blog reden wir mal über die Sensorik. Ein Thema, was ich bisher noch in keinem meiner Blogs wirklich aufgegriffen habe, aber sicher noch in weiteren Blogs Thema sein wird.

Denn viele verhaltensauffällige Kinder sind auch extrem sensibel im Wahrnehmen von Reizen. Und in der Vorweihnachts- und Weihnachtszeit werden diese Reize oft ungewollt und unbewusst überstrapaziert.

Ich gebe mal ein paar Beispiele:

  • (Blinkende) Weihnachtslichter
  • Parfümierte Kerzen
  • Musik (egal ob laut oder leise)
  • Zu viele Süssigkeiten, Plätzchen, Punsch etc.
  • Duft von gebackenen Plätzchen
  • Duft von Tannenzweigen (Weihnachtsbaum, Weihnachtskranz etc)
  • Stark gewürztes Essen
  • Parfüm, Raumdüfte und ätherische Öle (Orange, Zimt, Nelken etc)

Dazu kommt noch, dass wir in der Winterzeit meist weniger draussen sind und vermehrt drinnen sitzen und dann kommt ein sensorischer overload mit zu wenig Bewegung (und daher weniger Stressabbau) zusammen.

Wie zeigt sich das?

Verhaltensauffälligkeiten und körperliche Symptome nehmen dann meist zu. Das kann zum Beispiel sein:

  • Leicht reizbar und irritierbar
  • Rote Ohren und Wangen
  • Hyperaktivität
  • Vermehrte Aggression
  • Schlechtes Einschlafen oder Durchschlafen
  • Kein Augenkontakt
  • Vermehrt oder neu eintretendes selbst stimulierendes Verhalten (wiederholende körperliche Bewegungen oder Lautäußerungen)

All dies ist ein Anzeichen, dass das Stressfass unserer Kinder übervoll ist.

Wie finde ich heraus, ob und auf was mein Kind reagiert?

Das ist nicht so einfach. Aber die meisten von uns wissen bereits auf welche Reize unsere Kinder sehr sensibel reagieren. Egal was es ist – Hören, Sehen, Geschmack, Geruch oder Fühlen – sei dir klar darüber, dass du diesen Reiz nicht noch mehr überlasten solltest.

Zum anderen, sei achtsam über jede Änderung, die du bei dir zu Hause einführst. Du stellst den Tannenbaum auf und kurze Zeit später reagiert dein Kind ganz anders als sonst? Vielleicht ist es der Tannengeruch und die darin enthaltenen Phenole die dein Kind nicht verträgt. Du benutzt überall Orange, Zimt und Nelke in Plätzchen, Essen und als Raumduft? Hier sind natürliche Salicylate enthalten, die deinem Kind Schwierigkeiten verursachen können. Versuche Ausraster immer zu ergründen und frage dich was die Ursache dafür gewesen sein könnte. Werde zum Detektiv!

Was kann ich tun?

Erst mal ist es schon gut, wenn du weisst, dass jeglicher Sensorischer Reiz (auch die, die wir toll finden) unser Stressfass füllt. Wenn unsere Kinder also nicht schnell genug diesen Stress abbauen können, wird es zu purer Überwältigung und einem Ausraster kommen.

Allgemeingültig ist also, sensorische Stimuli auf ein Minimum zu reduzieren, je gestresster und je verhaltensauffälliger das Kind ist sowieso.

Wie sieht das konkret aus?

  1. Reize vermeiden: wähle andere Dekoration als stark riechende Tannenzweige, keine parfümierten Kerzen oder Duftöle, keine blinkenden Lichter oder verzichte ganz auf zusätzliche Lichtquellen. Vielleicht ist die weihnachtliche Hintergrundmusik auch zu viel. Entweder verzichtest du ganz darauf oder setzt deinem Kind Kopfhörer auf, um ihm Ruhepausen zu gönnen.
  2. Stressoren abbauen: hier sind hauptsächlich Bewegung, vor allem draussen zu nennen. Bewegung baut Cortisol ab, unser Stresshormon. Aber auch ausreichend Schlaf, vielleicht einen ruhigen Rückzugsort (Kuschelecke) für dein Kind und eine gesunde Ernährung. Wer sich schon mit der Sensorik auseinandergesetzt hat, kann auch Aktivitäten wählen, die dem Kind hilft diesen Stress abzubauen. Mehr hierzu, gibt es mal in einem weiteren Artikel.
  3. Langfristig Nervensystem regulieren: Wer langfristig ein entspannteres Weihnachtsfest will und nicht (vergeblich) auf die vielleicht eintretende Gehirnreife seines Kindes warten will, sollte daran arbeiten das Nervensystem der Familie zu regulieren. Wie das geht, bringe ich dir im Rundum Sorglos Paket bei.

Ich hoffe dieser kleine Einblick in die Sensorik unserer Kinder erklärt dir, warum gerade die Weihnachtszeit eine so stressreiche Zeit für unsere Kinder ist und unser Elternjob dadurch um einiges schwieriger wird als sonst. Aber vielleicht gibt er dir ja auch Ansatzpunkte unnötigen Stress zu vermeiden oder eliminieren.

Alles Liebe

Carmen

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