Finde das Geschenk

Lange Zeit habe ich mich gefragt, warum ich eigentlich je Mutter werden wollte. Ich liebte mein Kind zwar, aber dieser Mama Job war mir zu schwer. Anstatt das Beste aus mir hervorzubringen, brachte er die schlimmste Version aus mir hervor. Mein Kind machte mir mein Familienleben und mein Muttersein zum Horrorszenario. Es raubte mir meine letzte Energie…

Der Beginn

Wenn wir in den Ferien waren, brauchte ich danach eigentlich Ferien von den Ferien. So anstrengend war mein Alltag für mich. Warum ich euch das erzähle? Weil wir eines Tages vor vielen Jahren in einem unserer Campingplatz Ferien in Italien eine tolle Bekanntschaft gemacht haben. Wir verbrachten nur 24  Stunden mit diesem älteren Ehepaar. Sie sassen bei uns am Zelt, beobachteten meinen Sohn seit ein paar Stunden und die Frau sagte zu mir: «Mein Gott, dieses Kind ist bestimmt ein grosses Geschenk.» Ehrlich, ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte. Denn ein Geschenk war mein Sohn für mich zu diesem Zeitpunkt kaum. Also murmelte ich etwas von wegen: Es sei hart dieses Geschenk manchmal zu erkennen, da er mir die meiste Zeit meine Energie rauben würde, aber ja, danke.

Die Frau schenkte uns eine kleine Rolle Magnettafel und meinte, wir sollten doch ein Visionboard daraus machen, für uns und unsere Familie und wir brainstormten die ganze restliche Zeit über die unmöglichsten Ideen dafür.

Das war vor 5 Jahren.

Heute habe ich es gefunden. Das Geschenk in Form meines Sohnes und meiner Tochter. Ich habe mich sehr unbewusst vor 5 Jahren auf einen Weg gemacht nach eben diesem Geschenk zu suchen. Das Schöne daran ist, dass sich jeder auf diesen Weg machen kann und jeder wird ein Geschenk finden, wenn man bereits ist, sich auf diese Reise einzulassen.

Der Hilferuf

Heute sehe ich diese ganzen Frustrationen, Wutanfälle und Ausraster mit denen wir es tagtäglich zu tun hatten nämlich vor allem als eines – als Hilferuf. Es war ein Hilferuf meines Sohnes, um mir zu sagen, dass es ihm nicht gut geht, so wie die Dinge bei uns liefen. Und es war ein Hilferuf meiner Seele, dass es Zeit war aufzuwachen aus diesem Autopiloten. Es war Zeit hinzusehen und zuzuhören. Das Problem war nur, dass ich weder mich noch mein Kind verstand. Ich musste erst mal lernen, was mir mein Kind und mein eigener Körper sagen wollten. Also fing ich an zu lernen. Über den Körper, unser Gehirn, das Nervensystem, Bedürfnisse, positive Erziehung, Trauma, Ernährung, es war alles dabei. Endlich wusste ich, worauf es ankam. Ich entdeckte die ersten Schlüssel von Sicherheit und Beziehung als zentrale Pfeiler für eine Verhaltensänderung bei meinem Kind.  

Der Spiegel

Er zeigte mir sozusagen jeden Tag meinen eigenen emotionalen Spiegel und das war nicht gerade einfach, denn was ich sah, gefiel mir nicht wirklich. Denn der Stress forderte seinen Tribut – in Form von eigenen Wutanfällen, die durch meinen Sohn getriggert waren. Ich war es so gewohnt unter Termin- und Zeitdruck zu stehen, Aufgaben zu erledigen, Erwartungen zu erfüllen und zu funktionieren, dass ich meinem Sohn diese Sicherheit und Beziehung nämlich gar nicht bieten konnte. Ich konnte ihn gar nicht akzeptieren so wie er war, denn so wie er war, war es für mich fast nicht aushaltbar.

Der Teufelskreis

Dadurch habe ich den Teufelskreis aus Wut und Frustration weiter angeheizt, anstatt mit meiner eigenen Ruhe bei meinem Kind für Sicherheit zu sorgen. Ich musste also erst mein eigenes Nervensystem wieder regulieren können – und das brauchte jede Menge Arbeit. Aber andere als sonst – innere Arbeit und vor allem Entstressen und zwar in allen Lebensbereichen.  Mein Kind gab mir also die einmalige Chance eigenes Wachstum, ja sogar Heilung zu ermöglichen. Denn unsere Kinder schaffen es unsere Trigger für uns aufzudecken wie niemand anders. Wenn wir bereit sind hinzuschauen, werden wir dabei zu einem neuen Menschen.

Das Leben hat so seine ureigene Art, uns Lektionen zu erteilen (meist ungebetene, schliesslich habe ich mir mein Mamadasein so nicht vorgestellt) die uns aber in unserem Wachstum zu mehr Ganzheit und Liebe enorm helfen. Wenn wir uns dagegen sträuben, bekommen wir sie in anderer Form wieder. Mein Sohn wurde sprichwörtlich zum grössten Lehrmeister, denn niemand konnte besser tiefliegende Emotionen in mir auslösen als er.

Hinschauen

Wenn wir diese Trigger also weniger werden lassen wollen, dann dürfen wir gerne anfangen hinzuschauen:

  1. Benutze deine eigenen Emotionen als wichtige Datenpunkte. Bei den unerwünschten, sollten wir genauer anfangen hinzusehen.
  2. Gewinne deine Power zurück – anstatt auf das Verhalten deines Kindes zu reagieren, reagiere erst mal auf dein eigenes. Du bist die Mächtigste Person in deinem Leben. Sobald wir es schaffen unser eigenes Nervensystem zu beruhigen und nicht mehr in die Ausraster unserer Kinder miteinzusteigen, passiert nämlich eines – dein Kind verändert sich mit dir.

Das Paradoxe

Obwohl dein Kind gefühlt das Problem ist, wird das Problem kleiner oder löst sich sogar auf, wenn wir an uns arbeiten. Wir entscheiden, ob wir Teil der Lösung oder Teil des Problems bleiben wollen.

Ich glaube, dass uns das Leben tatsächlich immer genau das beschert, was wir brauchen, um zu wachsen. Denn wir alle sind auf einer besonderen Mission unterwegs. Wenn du mit einem besonders sensitiven Kind gesegnet bist, dann nehme dies als Herausforderung für dich an. Als Chance dich zu verändern und damit dir und deinem Kind das grösste Geschenk zu machen.

Denn als ich aufgehört habe, mein Kind verändern zu wollen, hat er sprichwörtlich aufgehört sich gegen mich zu stemmen.

Ich finde das meine Kinder die besten Geschenke sind, die ich jemals bekommen habe. Weil sie mich jeden Tag dazu antreiben, die absolute beste Version von mir zu leben.  Das heisst nicht, dass unser Alltag immer harmonisch ist und ich nicht trotzdem erschöpft ins Bett gehe. Aber ich habe eine Zufriedenheit und eine Erfüllung gefunden, die ich in meinem ganzen bisherigen Berufsleben und Mamasein nie hatte.

Ich wünsche dir auch von ganzem Herzen, dieses Geschenk zu finden.

Alles Liebe

Carmen

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