Dein Job als Eltern ist ein Marathon und kein Sprint!

Die meisten von uns Eltern neurodiverser Kinder mit Verhaltens Auffälligkeiten laufen physisch und emotional am Anschlag. Nach einigen Jahren des stetigen Energieraubes sind unsere Kräfte am Ende, nur die Aussicht auf Verbesserung der familiären Situation meist nicht. Alles, was ich wollte war wieder meine Freiheit zu haben, am besten schnell.

Deswegen ist die Versuchung auch so gross an eine Wunderpille zu glauben. Denn die verspricht Abhilfe des Problems, ohne grossen Aufwand. Denn die Energiereserven sind ja bereits erschöpft. Man versucht zu sprinten, aber bei vielen gelingt der Sprint nicht und wir bleiben ausgelaugt zurück.

Dabei wollte ich ja eigentlich immer Kinder, aber jetzt da sie mir meinen inneren Frieden und Freiheit raubten, überlegte ich mir wie ich an schnelle Wundermittel gelangen konnte. Heute ist mir klar, dass ich das «Elternsein» unterschätzt habe und mir vor allem nicht klar war, warum ich eigentlich Kinder wollte und worin meine Aufgabe als Mutter darin bestand. Viele meiner Kunden, können sich diese Frage nicht beantworten, so auch ich lange nicht.

Warum wolltest du Kinder?

  • Aus gesellschaftlicher Konditionierung heraus (man macht das so)
  • Weil es dir so von deinen Eltern vorgelebt wurde
  • Weil du dir damit neue Erfahrungen versprichst
  • Weil du dir ein Bedürfnis nach Liebe und Familie erfüllen willst
  • Weil du keinen Bock mehr hattest, arbeiten zu gehen
  • Weil dich deine Kinder erfüllen (sollen)
  • Weil das ein Teil deines Plans zur Altersvorsorge ist
  • Weil sie dich «jung» halten

Egal welchen Punkt und wie viele du aus der oberen Liste wählst und es gibt bestimmt noch mehr aufzuführen. Der Grund ist immer ein egoistischer. Und genau das wird uns später zur Stolperfalle, wenn unsere Kinder uns nicht das geben, was wir uns eigentlich von Ihnen «versprochen» oder «erwartet» haben. Selbst wenn wir keine Erwartung haben, schränken Sie uns zumindest in unserer Autonomie und Selbstbestimmung ein, das heisst unsere eigene Bedürfnisserfüllung leidet und das kostet uns Energie und macht uns unzufrieden. Desto schwieriger dein Eltern Job zu Hause ist, um so mehr.

Wenn ihr mich fragt, sollten wir daher eine andere Sicht auf das Elternsein etablieren. Im Idealfall erklärt sich dann nämlich auch dein Warum und hält deine Erwartungen an deine Kinder in Schach.

Was wenn wir den Grund warum wir Eltern sein wollen also anders definieren?

Das unsere Kinder der grösste Motor sind um uns selbst «Wachsen» zu lassen? Bessere Beziehungen zu haben, weil wir verstehen, dass wir Teil eines grossen Ganzen sind und generell dadurch dazu beitragen wollen, eine bessere Zukunft für uns alle zu etablieren?

Vielleicht würden wir dann aufhören unsere Macht (die wir zwangsläufig als Eltern über Kinder haben) ständig an unseren Kindern auszuüben, um sie zu dressierten Lemmingen heranwachsen zu lassen, die tun was wir und die Gesellschaft von Ihnen verlangt und erwartet?

Was würde das voraussetzen?

Es würde bedingen, dass wir aufhören unsere Kinder zu etwas zwingen, dass sie nicht aus eigener Motivation heraus machen oder lernen wollen.

Aber genau das wäre extrem anstrengend für uns! Denn das würde bedeuten, dass sich unsere Kinder nicht immer so leicht von uns lenken liessen, wie wir uns das vorstellen! Nach einem langen Arbeitstag, war diese Vorstellung das letzte was ich brauchte.

Es würde bedingen, dass wir aufhören würden unsere Kinder für genau dieses selbstbestimmte Verhalten zu verurteilen. Dann lautet unsere Aufgabe nämlich nicht mehr, darüber zu schimpfen und Angst vor der Zukunft zu haben, sondern zu Fragen, warum dieses Verhalten auftritt und wie geholfen werden kann. Also im Moment zu sein!

Das würde wiederum bedeuten, dass wir all unsere eigenen grossen Gefühlen aushalten und an der schieren Überwältigung ob dieser Aufgabe diese Kinder gross zu ziehen nicht aufzugeben.

Und das würde bedeuten, dass wir bereit sein müssten uns mit uns selbst zu beschäftigen und unsere Aufgabe nicht nur als kurzzeitigen «Sprint» zu betrachten, sondern als einen Marathon.

Einen Marathon des ständigen Lernens, Reflektierens, Veränderns …. und des Wachstums.

Bei dem wir die «Belohnung» nicht in Form von sofortigem Gehorsam unserer Kinder erhalten, sondern von mehr Wachstum von uns selbst. Ganz nebenbei ziehen wir heranwachsende Menschen gross, die in der Lage sind auf sich selbst zu hören, Eigenverantwortung zu übernehmen und damit eben in Zukunft auch keine Verbote und Bestrafungen mehr brauchen. Denn Sie wissen selbst, was das richtige für sie und andere Menschen ist.

Ich persönlich bin von Natur aus «Sprinterin», mich also jetzt zur Marathonläuferin auszubilden braucht Übung, Übung und Übung. Es ist noch kein Superstar vom Himmel gefallen. Aber die Form der Belohnung ist mir so viel lieber als immer folgsame Kinder zu haben. Obwohl es anstrengend ist und manchmal der Weg steinig und schwer…vor allem wenn man neurodiverse Kinder hat und dort der Weg noch viel steiniger ist und Fortschritt eben manchmal auch etwas länger braucht. Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir auch unseren Lebensstil einem Marathonläufer entsprechend anpassen – Regenerationszeit nach dem Training (aka Selbstfürsorge), viel trinken, gesund ernähren, viel Schlaf und tja das Training selbst. Wer diesen Weg geht wird belohnt, da bin ich mir nicht nur ganz sicher, ich sehe es jeden Tag!

Bist du innerlich schon bereit für den Marathon? Wer mit mir ins Marathontraining kommen will, ist auf jeden Fall herzlich willkommen!

Alles Liebe,

Carmen

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