Bist du auch noch am Multitasken?

Ich habe immer alles auf die Reihe bekommen. Job, Familie, Privatleben. Nichts ging mir durch die Lappen, alles war bestens organisiert. Ja ich war sogar noch stolz darauf, dass ich all diese Bälle in der Luft halten konnte – und so geht es vielen Frauen. Denn die Fähigkeit zu Multitasken wird mit der Vereinbarkeit von Job und Familie gleich noch viel wichtiger und vor allem von Arbeitgebern geschätzt.

Dass das ganze einen Preis hat, war mir lange nicht bewusst. Als ich noch keine Kinder hatte, waren da auch noch genügend Möglichkeiten, um abzuschalten. Als dann 2 Kinder da waren, wurde mein Leben zum Hindernislauf. Wenn ich nicht gerade sowieso schon 2 Dinge gleichzeitig am Machen war, dann war ich zumindest gedanklich am planen und organisieren meiner nächsten Schritte auf der nicht endenden wollenden To do liste. Ich selbst blieb dabei regelmässig auf der Strecke und meine eigene innere Unzufriedenheit wuchs.

Was ist Multitasking eigentlich?

Multitasking passiert immer dann, wenn wir ganz banal gesagt zu viel in zu wenig Zeit versuchen zu erledigen. Wir versuchen also 2 oder mehr Dinge gleichzeitig zu tun. Das Kind auf dem Schoss und am PC Arbeiten vielleicht? Oder Kochen und Telefonieren gleichzeitig? Podcast hören und nebenher spülen? Du weisst was ich meine….Und gerade Frauen sind dafür prädestiniert. Das Stichwort «mental load» ist für die meisten kein Fremdwort mehr (aber dazu schreib ich gerne mal einen eigenen Artikel). Weil wir für die gesamte Familie als Manager unterwegs sind. Und uns Familie erst so richtig ins Multitasking bringt, denn die To do liste wird immer länger….

Ist Multitasking überhaupt möglich?

Zu einem gewissen Grad ist Multitasken tatsächlich möglich. Immer dann, wenn Aufgaben einfach sind, gut trainiert sind und das gleiche Ziel verfolgen. Schwieriger wird es, wenn das Gehirn vor 2 komplexe Aufgaben gestellt wird, bei dem womöglich sogar Entscheidungen gefragt sind. Diese Prozesse können fast immer nur nacheinander ablaufen. Man muss zwangsläufig also eine Sache kurz unterbrechen. Wenn das Gehirn aber ständig zwischen mehreren Aufgaben hin und her wechseln muss, dann benötigt das Gehirn dafür mehr Zeit. Unsere Produktivität sinkt. Übrigens ist es auch ein Mythos dass Frauen Multitasken können, Männer aber nicht.

Was sind die Folgen vom Multitasken?

  • Erschöpfung und Stress: die Chance, dass wir durch stetiges Multitasken überfordert sind ist gross und mit stetiger Überforderung ist auch unser Nervensystem zunehmend überlastet. Wir beginnen uns meist nicht mehr so zu verhalten, wie wir es eigentlich gerne täten (z.b. hören nicht mehr zu, schreien, geben auf etc.).
  • Da wir nur einer Sache unsere volle Aufmerksamkeit schenken können, ist durch die Ablenkung meist eine schlechtere Gedächtnisleistung damit verbunden.
  • Unsere Beziehungen leiden, da man einfach nie im gegenwärtigen Moment ist. Unsere Kinder interpretieren das fast immer als «Mama liebt mich nicht» «Ich bin nicht wichtig». Je weniger Beziehung, desto mehr Rebellion und Ausraster zu Hause. Dadurch steigt nicht nur unser eigenes Stresslevel noch weiter, sondern auch dass unserer Kinder.
  • Wir setzen uns oft ans Ende der Prioritätenliste und unsere eigenen Bedürfnisse kommen notorisch zu kurz. Unzufriedenheit und damit Stress wird meist grösser.
  • Dauerhafter Stress ist auch Gift für deinen Körper und führt zu Erkrankungen – mentalen oder körperlichen.

Lass uns mal Gründe anschauen, warum wir stets versuchen Multitasking zu betreiben:

  • Zu lange To do listen, da wir nicht Nein sagen können oder nicht delegieren können
  • Schlechte Organisation unserer Abläufe
  • Fehlende Prioritäten und daraus resultierender Zeitstress
  • Fehlende Bedürfniserkennung und Achtsamkeit
  • Unvorhergesehene (nicht geplante) Zwischenfälle, Aufgaben etc
  • Es allen «Recht machen» wollen
  • Perfektionismus

Wie kann ich das Multitasking wieder abstellen, fragst du dich?

Die Gründe, warum du Multitasking betreibst sind wie ich dargestellt habe vielfältig, daher gilt es dies auch zu berücksichtigen, bei der Wahl der Methode um dies wieder abzuschaffen. Hier sind einige Ideen:

  • To do listen am Anfang des Tages zu schreiben und diese realistisch zu betrachten (lade dir nicht schon von vornherein zu viel auf)
  • Vielleicht sogar Not to do listen schreiben
  • Etwaige Störfaktoren entweder einberechnen oder abstellen (Handy ausschalten, Email Notifikationen abstellen etc)
  • Genügend Zeit einplanen, vor allem neurodiverse Kinder haben mit Wechsel von Aktivitäten/ Übergängen oft Probleme, baue Puffer in deinen Zeitplan ein
  • Um morgentlichen Stress zu verhindern, organisiere dich schon am Abend vorher für den nächsten Tag
  • Bewusstsein und Achtsamkeit schärfen, auch wie der Körper auf Überforderung reagiert
  • Prioritäten richtig setzen oder überprüfen (Was ist mir wichtig?)
  • Stress und den mentalen load reduzieren
  • Eigenen Perfektionismus überprüfen und hinterfragen (80/20 Regel)
  • Grenzen setzen lernen
  • Arbeit an andere delegieren
  • Eigene Grenzen anerkennen und Hilfe holen

Tja ich war zwar Meister im Organisieren, aber lange ohne jegliche Selbstreflektion unterwegs und irgendwann konnte auch die Beste Organisation den Stress nicht mehr abfangen. Ich bin daher Fan von der «inneren Arbeit» geworden. Die ist zwar auch nicht immer einfach und schön, aber auf Dauer erhalte ich mir damit nicht nur meine Gesundheit, sondern mein Leben wird auch wieder schöner und leichter. Einige der oben genannten Punkte brauchen eben viel Selbstreflektion, um sie ändern zu können.

Bist du auch immer am Multitasken und eigentlich würdest du einfach nur mal gerne eine Sache nach der anderen machen oder sogar gewisse Arbeiten ganz abgeben? Wie verhältst du dich, wenn du in der Überforderung steckst?

Ich freue mich von dir zu hören!

Alles Liebe,

Carmen

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